Ich war bei einer Finanztherapeutin und das habe ich gelernt

Ich war bei einer Finanztherapeutin und habe gelernt.

Ich habe den Großteil meines Erwachsenenlebens in Therapie verbracht. Es war für mich eine der besten Investitionen überhaupt, jemanden zu haben, mit dem ich sprechen kann, wenn ich Schwierigkeiten mit bestimmten Aspekten meines Lebens habe oder etwas nicht verstehe, was mir früher klar war. Kaum etwas hat sich so sehr gelohnt.

Obwohl ich mit meiner Therapeutin über alles Mögliche spreche – über Familienbeziehungen, Traumata, Beziehungen – haben wir nie wirklich über meine Finanzen gesprochen.

Gespräche über Geld sind vielleicht nicht das Erste, woran man bei einer Therapiesitzung denkt, aber Geld geht nicht nur um Zahlen, sondern auch um Gefühle. Geld ist ein sehr emotionales Thema. Egal wer du bist oder wie viel Geld du auf deinem Konto hast, du hast bestimmt schon einmal Stress, Wut oder Scham in Bezug auf Geld empfunden. Es gibt tatsächlich eine nachgewiesene Verbindung zwischen der geistigen Gesundheit und den eigenen Finanzen. Die Wahrscheinlichkeit, an mentalen Problemen zu leiden, ist bei verschuldeten Menschen sogar dreimal höher.

Ob wir es bewusst merken oder nicht, wir alle haben unsere eigenen Überzeugungen über Geld. Meistens erhalten wir diese von unserer Familie oder unserem engsten Umfeld. Die Vorstellung von Geld ist daher stark belastet, insbesondere wenn es darum geht, ob wir genug davon haben oder nicht. Als ich die Gelegenheit hatte, mit einer Finanztherapeutin zu sprechen, war ich sofort bereit dazu.

Die Psycho- und Finanztherapeutin Amanda Clayman fand ihren Beruf, nachdem sie selbst finanziell am Boden war. Damals hatte sie Zehntausende Dollar Kreditkartenschulden und kannte das Gefühl der finanziellen Scham genau.

Heute kombiniert Clayman in ihrem Beruf finanzielle und psychologische Bildung. Zu Beginn unseres Gesprächs fragte sie mich, ob ich mich in Bezug auf Geld eher intuitiv oder überlegt verhalte. (Nach kurzer Überlegung entschied ich mich für „überlegt“.) Dann wollte sie wissen, ob ich irgendwelche geldbezogenen Gewohnheiten habe, die meiner Meinung nach von der „Norm“ abweichen oder mir viel Stress bereiten – und meine Antwort darauf war: Ja.

Zum Kontext: Ich habe meine Finanzen im Großen und Ganzen gut im Griff. Ich habe ein Sparkonto mit einem hohen Zinssatz und ein Rentenkonto, auf das ich regelmäßig einzahle. Ich investiere nebenbei ein bisschen, zahle monatlich meine Kreditkartenausgaben ab und habe auch noch ein Notfallkonto für Notfälle. Und obwohl mein jüngeres Ich – das von Gehalt zu Gehalt lebte und meine Kreditkartenschulden einmal abbezahlte, indem ich eine andere Kreditkarte überzog – von meiner aktuellen Situation begeistert wäre, muss ich zugeben, dass Geldsorgen eine große Rolle in meinem Leben spielen.

Das erzählte ich Clayman – und fühlte mich sofort erleichtert. Es war befreiend, einer Finanztherapeutin meine größten finanziellen Sorgen und Unsicherheiten zu gestehen. Clayman war auf die Gefühle vorbereitet, die in mir aufkamen, und gab mir sofort Werkzeuge und Tipps an die Hand, um meine Probleme anzugehen. „Das erfordert eine enorme emotionale Anstrengung“, sagte sie, während wir darüber sprachen, dass Geldsorgen nicht einfach verschwinden, sobald man etwas mehr Geld auf einem Sparkonto hat. „Das Schwierige im Umgang mit Geld ist, dass wir immer etwas finden, worüber wir uns Gedanken machen können. Denn unsere Finanzen sind nie wirklich perfekt.“

Weil Geld immer noch ein so privates Thema ist, ist es vielen von uns (inklusive mir) lieber, es gar nicht erst anzusprechen. Dann ist es aber leicht, sich in Ängsten rund um die monatlichen Mietzahlungen, die Rentenersparnisse oder schier unbezahlbare Schulden zu verlieren. Es kann angsteinflößend sein, sich auf eine ungewisse Zukunft vorzubereiten; aber genau deswegen ist es so wichtig, sich Strategien zur emotionalen Bewältigung parat zu legen.

Laut Clayman lässt sich der Zukunft nur selbstbewusst entgegenblicken, wenn wir uns gründlich damit auseinandersetzen, wie wir uns im Hier und Jetzt verhalten. Dazu empfiehlt sie, dich selbst zu fragen: Wie viel meines heutigen Lebens möchte ich dem widmen, die Wahrscheinlichkeit zu steigern, in der Zukunft gut und gesichert leben zu können?

Abgesehen von solchen Bewältigungsstrategien unterhielt ich mich mit Clayman auch über die gemeinsamen Finanzen innerhalb einer Partnerschaft. Sie empfiehlt dazu, die Stärken der jeweils anderen Person zu identifizieren (und zu schätzen) und regelmäßig miteinander über die Finanzen zu sprechen, egal, ob alles gerade glatt läuft oder nicht. Sie konnte mir auch viel darüber erzählen, wie unser Gehirn arbeitet (oft leider gegen uns!) und für Stress sorgt, der weder nötig noch gewollt ist. „Wenn wir mit einem Gewinn rechnen, wird das Gehirn aktiv. Wenn wir aber befürchten, etwas zu verlieren, das wir haben, ist es gleich doppelt so aktiv“, erklärte Clayman.

Letztlich wurde mir nach meiner Sitzung klar, wie wichtig es ist, die Verbindung zwischen unserem Geld und unseren Gefühlen zu bedenken. Fakt ist nämlich: Geld kann unheimlich stressig sein. Es ist aber durchaus möglich, eine gesunde Beziehung dazu aufzubauen und zu begreifen, dass Geld letztlich nur ein Werkzeug ist, das uns dabei helfen kann, uns das Leben zu erschaffen, das wir uns wünschen.

Obwohl es toll ist, dir Strategien und Systeme zuzulegen, die es dir erlauben, mehr zu sparen, besser zu investieren oder gar früh in Rente zu gehen, wurde mir nach dem Gespräch doch klar, dass ich häufiger überlegen sollte, wie sich meine Finanzen auf mein emotionales Wohlbefinden auswirken. Ob nun durch eine Finanztherapie oder andere Achtsamkeitsübungen: Es ist nicht bloß eine gute Idee, dich mit den emotionalen und mentalen Konsequenzen von Geld auseinanderzusetzen – sondern sogar dringend nötig.

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